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Ethical-Delphi zu den neuen Pflanzenzüchtungsverfahren in Österreich. Dissens verstehen. Nach Konsens fragen.

Abstract
Inhalt und Ziele des Projektes:Neue Züchtungsverfahren – wie beispielsweise das prominent diskutierte CRISPR/Cas – sind dabei, die Pflanzenzüchtung wie auch die Tierzucht zu revolutionieren. Bei zahlreichen dieser Methoden werden keine fremden Gene oder Genkonstrukte in ein Erbgut eingeführt, sondern das vorhandene Erbgut wird gezielt auf bestimmte gewünschte Eigenschaften hin editiert. Insofern dieser Eingriff im Endprodukt nicht nachweisbar ist, stellt sich die Frage, inwieweit auf diese Art gezüchtete Organismen als gentechnisch veränderte Organismen zu verstehen und zu regulieren sind. Unabhängig davon, wie hierbei die europarechtliche Regulierung ausfällt, steht zu erwarten, dass das in diesem Kontext erwartete Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union die gesellschaftliche Debatte über dieses neue methodische Arsenal der Pflanzenzüchtung anheizt.In Ergänzung zur eingereichten Skizze des Bundesumweltamts und des hierbei geplanten Stakeholderprozesses wird das hier dargelegte Projekt ein Online-Ethical-Delphi durchführen. Während der Stakeholderprozess auf die naturwissenschaftlichen Parameter der neuen Züchtungstechnologien und auf die konkrete Regulierung spezifischer Verfahren fokussiert, wird das „Ethical Delphi“ die in der Debatte zu Verhandlung stehenden Werte und kulturellen Leitbilder erheben und auf diesem Weg den Versuch unternehmen, den etwaigen Konsens zwischen den Stakeholdern zu benennen und herauszuarbeiten.Die Methode des „Ethical Delphi“ ist ein vor allem im englischsprachigen Raum eingeführtes Verfahren, um die ethischen Dimensionen einer Streitfrage aus Sicht opponierender Stakeholder abzubilden. Bei einem „Ethical Delphi“ handelt es sich um ein systematisches und mehrstufiges Verfahren, bei dem ExpertInnen und/oder Stakeholder in mehreren Befragungswellen um ihre Einschätzung gebeten werden.Das vorliegende Delphi wird hierbei zwei Schwerpunkte setzen:(1) Die Erhebung von zentralen Gütern und Werten in der Debatte;(2) die Erarbeitung von wünschenswerten bzw. unerwünschten Zukunftsszenarien rund um die neuen Züchtungsverfahren in Österreich. Das Ziel des Delphis ist nicht (bzw. kann nicht sein), dass die beteiligten Stakeholder einen Konsens finden; in der Interpretation und Diskussion ihrer Positionen soll jedoch herausgearbeitet werden, in welchen Punkten Konsens besteht – und wie der Dissens (in anderen Aspekten) ethisch begründet ist.Das Projekt wird (1) einen Beitrag dazu leisten, die ethischen Prinzipien und Leitwerte der divergierenden Positionen innerhalb der Kontroverse näher zu bestimmen und sichtbar zu machen (= Dissens verstehen). Die zusammenfassende Diskussion wird (2) die Leitfragen analysieren: Welche Hintergrundfolien bestimmen die Auseinandersetzung? Welche Werte stehen zur Verhandlung? Wo zeigt sich hier Dissens? Wo existiert Konsens? Wo ist Konsens oder zumindest eine Annäherung der Positionen möglich? Und schließlich: Inwieweit lassen sich die skizzierten Zukunftsszenarien mit Blick auf eine Befriedung der gegenwärtigen Kontroverse fruchtbar machen? (= nach Konsens fragen.)
Kurzbezeichnung
Gene Editing: Ethical-Delphi
Projektleitung
Grimm Herwig,
Laufzeit
01.09.18-28.02.19
Art der Forschung
Angewandte Forschung
Beteiligte Vetmed-Organisationseinheiten
Abteilung für Ethik der Mensch-Tier-Beziehung,
Gefördert durch
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, Stubenring 1, 1010 Wien, Österreich
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