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Testen des Domestikation`s Syndroms anhand freilebender Hunde

Abstract
Forschungskontext Haustiere unterscheiden sich in vielen phänotypischen Merkmalen deutlich von ihren wilden Vorfahren. Es wird vermutet, dass diese Merkmale durch die Selektion für eine einzige Eigenschaft – Zahmheit- hervorgerufen werden (DS – "Domestizierungssyndrom") und nicht das Ergebnis unabhängiger Selektionsprozesse sind. Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die Selektion auf Zahmheit genregulatorische Netzwerke beeinflusst, die die Migrationsrate von Neuralleistenzellen modifizieren (Neurokristopathie-Domestizierungshypothese) und somit eine Reihe von Entwicklungsprozessen beeinflussen können. Studien, die die Vorhersagen der DS-Hypothese direkt testen, sind jedoch kaum vorhanden, und Ergebnisse, die eine Entkopplung von Merkmalen bei Haustieren zeigen, haben ihre Gültigkeit in Frage gestellt. Darüber hinaus wurde die genetische Basis für die Migration von Neuralleistenzellen zwar für einige domestikationsbedingte Merkmale nachgewiesen, für andere bleibt sie jedoch unklar.Hypothese und VorhersagenHier testen wir die DS-Hypothese und die ihr zugrunde liegende Neurokristopathie anhand von freilaufenden Hunden. Zusammengenommen sagen die beiden Aspekte der DS-Hypothese voraus, dass Verhaltens- und morphologische Merkmale, die für domestizierte Tiere typisch sind, hoch korreliert sein sollten (P1), eine gemeinsame Entwicklungsbasis haben, die aus der Veränderung von genregulatorischen Netzwerken resultiert, die die Migration von Neuralleistenzellen beeinflussen (P2), und dass zumindest einige Merkmale mit direkten Fitnessvorteilen verbunden sein sollten (P3). MethodenWir werden diese Vorhersagen in einer gut untersuchten Population von freilebenden Hunden in Marokko mit einer Kombination aus Verhaltens-, genetischen und ökologischen Methoden testen. Individuelle morphologische Merkmale werden anhand von Fotografien bestimmt und Verhaltensmerkmale werden durch systematische Beobachtungen des Sozialverhaltens von Artgenossen und durch Experimente (z.B. Bewertung der Neophobie und der auf den Menschen gerichteten Geselligkeit) ermittelt. Die genetische Variation, die den Verhaltensmerkmalen zugrunde liegt, wird mit Hilfe von SNP-Analysen und gezielter Sequenzierung untersucht. Die genetische Rekonstruktion der Verwandtschaftsverhältnisse wird verwendet, um die Vererbbarkeit der DS-Merkmale zu bewerten. Zu den Messgrößen für die Fitness gehören der Fortpflanzungserfolg, die Vielfalt der Ernährung (basierend auf der Analyse stabiler Isotope) sowie die Überlebensrate und der Body-Mass-Index der Jungtiere. OriginalitätDiese Studie wird den ersten umfassenden Test der DS-Hypothese unter Berücksichtigung der verhaltensbezogenen, morphologischen und genetischen Aspekte durch Anwendung eines multidisziplinären Ansatzes liefern. Der innovative Einsatz von freilebenden Hunden und das Studiendesign werden es ermöglichen, den Zusammenhang zwischen genetischer Variation und direkt beobachteten Verhaltensweisen von Hunden in einer natürlichen Umgebung zu testen, in der die potenzielle Fitness dieser Merkmale wahrscheinlich sehr relevant ist.Primär beteiligte ForscherDas Projekt wird auf der Zusammenarbeit von Experten für Hundeverhalten (Sarah Marshall-Pescini und Friederike Range, Konrad-Lorenz-Institut, Österreich) und Genetik (Małgorzata Pilot, Polnische Akademie der Wissenschaften) basieren.
Kurzbezeichnung
Domestication Syndrome in free-ranging dogs
Laufzeit
01.09.21-01.09.25
Programm
FWF Joint Projects
Art der Forschung
Grundlagenforschung
Mitarbeiter/innen
Marshall S.,
Beteiligte Vetmed-Organisationseinheiten
Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
(Weitere) Projektpartner
Kontakt: Malgorzata Pilot
Polnische Akademie der Wissenschaften, Warschau, Polen
Gefördert durch
FWF - Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Sensengasse 1, 1090 Wien, Österreich

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