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Information im Pferdeschwanz - Isotopenanalyse zur Ökologie dreier Equiden

Abstract
Alle heutigen Equiden Arten gleichen sich in Größe und Form und scheinen eine sehr ähnliche ökologische Nische zu besetzen. Es gibt jedoch nur wenige Regionen in denen mehrere Arten überlappend vorkommen. Sowohl die Ressourcennutzung als auch die physiologischen Anpassungen an geographische und ökologische Gegebenheiten sind noch wenig erforscht. In der Dzungarischen Gobi in der SW Mongolei teilen sich drei Equiden Arten, der Asiatische Wildesel (Equus hemionus), das wiedereingebürgerte Przewalski Pferd (Equus ferus przewalskii) und das Hauspferd (Equus caballus), den gleichen Lebensraum. Es bietet sich somit eine einzigartige Möglichkeit für vergleichende ökologische Studien. Kontinuierliche Beobachtungen von Wildequiden sind in der unwirtlichen Gobi und wegen der weiträumigen Wanderbewegungen der Tiere kaum durchzuführen. Physiologische Untersuchungen machen dagegen entweder den Einsatz von invasiven Techniken oder die Beschränkung auf Tiere in Gefangenschaft nötig.
Untersuchungen von stabilen Isotopen sind in kurzer Zeit zu einem wichtigen Werkzeug zur Untersuchung von Ernährungsgewohnheiten, Wasserbedarf oder Wanderungsverhalten von Tieren geworden. Es können dabei sowohl "frische" Proben, historische aber auch Probenmaterial von ausgestorbenen Tieren untersucht werden. Bestimmte Haare und Zähne wachsen kontinuierlich und enthalten daher, wenn sie entlang der Wachstumsachse beprobt werden, saisonale Information zu Fressverhalten und Wanderungsbewegung. Wilde Pferdeverwandte (Equiden) waren in prähistorischer Zeit sehr zahlreich und über eine große geographische Region verbreitet. Sie eignen sich daher ideal zur Untersuchung von paläoernährungs- und paläoklimatologischen Rekonstruktionen mittels Isotopenuntersuchungen. Prähistorische Isotopenergebnisse wurden vielfach durch Untersuchung an heutigen Equiden kalibriert. Aus diesem Grund existiert ein vertieftes Wissen über die Aufnahme und den zeitlichen Verlauf von verschiedentlich zusammengesetztem Futter (insbesondere im Bezug auf den Kohlenstoff) auf die Isotopenzusammensetzung im Gewebe von Pferden. Im vorliegenden 3-Jahresantrag schlagen wir daher vor mittels Isotopenuntersuchung von Schwanzhaarinkrementen indirekte Information über die saisonale Nahrungsökologie, den Wasserbedarf, dem Wanderungsverhalten und dem Stoffwechsel zu erfassen.
Das Przewalski Pferd ist von besonderem Interesse, da es in freier Wildbahn ausstarb und erst später in seinen ursprünglichen Lebensraum wiedereingebürgert wurde. Vor dem Aussterben des Przewalski Pferdes wurden praktisch keine ökologischen Informationen gesammelt und daher sind viele Aspekte seines ursprünglichen Verhaltens (z.B. Wanderungsverhalten) unbekannt. Durch den Vergleich der Isotopendaten von historischen mit denen von heutigen Przewalski Pferden und denen von Asiatischen Wildeseln und Hauspferden aus derselben Region können daher substanzielle Information zur Rekonstruktion der ursprünglichen Ökologie des Przewalski Pferdes erwartet werden.
Wissenschaftszweige nach Statistik Austria Klassifikation
106047         Tierökologie
107006         Naturschutz
Kurzbezeichnung
Information im Pferdeschwanz
Projektleitung
Kaczensky Petra
Laufzeit
01.04.12-30.09.16
Art der Forschung
Grundlagenforschung
Beteiligte Vetmed-Organisationseinheiten
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Conservation Medicine
Gefördert durch
FWF - Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Sensengasse 1, 1090 Wien, Österreich

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5 Publikationen

Kaczensky, P; Khaliun, S; Payne, J; Boldgiv, B; Buuveibaatar, B; Walzer, C (2019): Through the eye of a Gobi khulan - Application of camera collars for ecological research of far-ranging species in remote and highly variable ecosystems. PLoS One. 2019; 14(6):e0217772
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Kaczensky, P; Burnik Šturm, M; Sablin, MV; Voigt, CC; Smith, S; Ganbaatar, O; Balint, B; Walzer, C; Spasskaya, NN (2017): Stable isotopes reveal diet shift from pre-extinction to reintroduced Przewalski"s horses. Sci Rep. 2017; 7(1):5950
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Burnik Šturm, M; Ganbaatar, O; Voigt, CC; Kaczensky, P (2017): Sequential stable isotope analysis reveals differences in multi-year dietary history of three sympatric equid species in SW Mongolia. J Appl Ecol. 2017; 54(4):1110-1119
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Burnik Šturm, M; Ganbaatar, O; Voigt, CC; Kaczensky, P (2017): First field-based observations of δ(2)H and δ(18)O values of event-based precipitation, rivers and other water bodies in the Dzungarian Gobi, SW Mongolia. Isotopes Environ Health Stud. 2017; 53(2):157-171
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Burnik Šturm, M; Pukazhenthi, B; Reed, D; Ganbaatar, O; Sušnik, S; Haymerle, A; Voigt, CC; Kaczensky, P (2015): A protocol to correct for intra- and interspecific variation in tail hair growth to align isotope signatures of segmentally cut tail hair to a common time line. Rapid Commun Mass Spectrom. 2015; 29(11):1047-1054
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