Veterinärmedizinische Universität Wien Forschungsinformationssystem VetDoc

Grafischer Link zur Startseite der Vetmeduni Vienna

Gewählte Publikation:

Publikationstyp: Dissertation

Publikationsjahr: 2005

AutorInnen: Zink, R

Titel: Modellierung der Nahrungsverfügbarkeit des Habitatpotentials für Bartgeier (Gypaetus barbatus barbatus) in den österreichischen Alpen.

Quelle: Dissertation, Univ. Wien, pp. 155.


Autor/innen der Vetmeduni Vienna:

Zink Richard,

Betreut von:
Arnold Walter,

Diese Publikation wurde nicht im Namen der Vetmeduni Vienna erstellt und ist deshalb ausschließlich der persönlichen Publikationsliste des/der Autors/Autorin zugeordnet!


Abstract:
Das alpine Bartgeier-Wiederansiedlungsprojekt bietet die Möglichkeit eine weitgehend abgeschlossene Population studieren zu können. Weil die Population vollständig ausgerottet war, ist die Herkunft jedes einzelnen Bartgeiers bekannt. Von größter Relevanz für die Analyse von Lebensraumpräferenzen ist die Tatsache, dass die Vögel bis heute uneingeschränkt Lebensraum vorfinden. Rein theoretisch ermöglicht ihnen dies die Besiedlung optimaler Habitate. Über die Abschuß- und Alpungsstatistik wurde die Verteilung und die Abundanz potentieller Nahrungstiere (Huftiere) in Form von Karten dargestellt. Insgesamt wurden 58 thematischen Variablen sowie die Bartgeier-Beobachtungen der Jahre 1998-2002 verwendet. Auf Basis multivariater Verfahren konnte jene Variablen identifiziert werden die das Habitat der Greifvögel am besten beschreiben. Eine Karte der potentiellen Habitateignung wurde generiert. Prägung und Philopatrie erlauben plausible Interpretationen der Ergebnissen. Wenn philopatrisches Verhalten für Bartgeier Relevanz hat, ist anzunehmen, dass die ersten Eindrücke der Vögel nach der Freilassung für die Standortwahl zukünftiger Reviere von großer Bedeutung sind. Die nachgewiesene Präferenz bestimmter geologischer Gegebenheiten stimmte mit den Gegebenheiten am jeweiligen Freilassungsplatz der Bartgeier überein. Die Lage der Freilassungsplätze beeinflusste also die spätere Verteilung der Art. Für den Standort Österreich ist festzuhalten, dass brütende Geier die Vorteile der Kalkregion zur Brut bisher nicht genutzt haben. Horst-Konkurrenz mit Steinadlern (die im kristallinen Bereich aufgrund mangelnder Felsnischen verstärkt auftritt) hat die Reproduktionsfähigkeit der Bartgeier bisher einschränkt. Aus Sicht der Bartgeier kann Lebensraum am besten dann genutzt werden wenn weitläufiges Weidelands und steile, wenn möglich nischenreiche Felswände in Kombination vorkommen. Den ökonomischen Aspekt der Lebensraumnutzung (Nahrungssuche), wurde eine konstruierte Variable nachempfunden. Die Ergebnisse zeigen, dass Artnachweise im Untersuchungsgebiet sich an ökonomisch günstigen Standorten häufen. Eine generelle Vorliebe der Bartgeier zu Gebieten hoher Steinwild- und Schafdichte war durch die Ergebnisse eindeutig belegbar. Insbesondere Steinwild sucht im Winter bevorzugt die Grate der höchsten Regionen auf. Wenn die Huftiere in diesen Bereichen verenden, sind sie für Bartgeier besonders leicht zugänglich. Die Art hat dadurch besondere Bedeutung als Nahrungsbestandteil. Sowohl die Zusammenschau obiger Ergebnisse, als auch die Tatsache, dass erfolgreiche Bartgeierbrutpaare bisher nur in Kalkregionen mit besonders hohen Steinwildabundanzen zu finden sind, legt den Schluss nahe, dass Kalk und Steinwild wichtige Kriterien für eine dauerhafte Ansiedlung und erfolgreiche Reproduktion der Greifvogelart sind. So sich Bartgeier tatsächlich philopatrisch verhalten und die Art auf strukturelle Landschaftselemente des Freilassungsplatzes geprägt ist, ergeben sich interessante Konsequenzen für das zukünftige Vorgehen in Wiederansiedlungsprojekten. Für Österreich im Speziellen bedeutet das Nachteile in kristallinen Gebirgen. Für die Analyse von Habitatpräferenzen kann es bedeuten, dass die Verteilung von Artnachweisen wiederangesiedelter Arten durch die Wahl des Freilassungsstandortes beeinflusst wird. Adäquate Habitatmodelle sind in der Lage solche Abweichungen zu thematisieren und führen zur Optimierung zukünftiger Wiederansiedlungsprojekte.

Schlagworte:
Bartgeier (Gypaetus barbatus) / Habitatmodellierung / GIS / Habitateignung / Nationalpark / Philopatrie / Prägung / Huftiere / Monitoring / Ökologische Nische


© Veterinärmedizinische Universität Wien Hilfe und Downloads