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Gewählte Publikation:

Publikationstyp: Dissertation
Dokumenttyp:

Jahr: 2007

AutorInnen: Balfanz, F

Titel: Ausscheidung von Cortisolmetaboliten beim Rothirsch (Cervus elaphus): Der Einfluss von Jahreszeiten und sozialen Hierarchien.

Quelle: Dissertation, Vet. Med. Univ. Wien, pp. 53.

Betreut von:

Arnold Walter


Zugehörige(s) Projekt(e): Quantifizierung der Stressbelastung beim Rotwild durch nicht-invasive Bestimmung von Glucocorticoid-Metaboliten im Kot


Abstract:
In der heutigen Kulturlandschaft sind Wildtiere in vielfacher Weise Störungen durch den Menschen ausgesetzt. Diese Belastung kann einerseits das Wachstum von Populationen beeinträchtigen und ist andererseits oft Ursache von Wildschäden in der Forst- und Landwirtschaft. Gängige Methoden zur Quantifizierung der Stressbelastung bei Wildtieren, wie z.B. die Bestimmung von Stresshormonen (Glucocorticoiden) aus dem Blut, sind oft teuer, unpraktizierbar und stellen selbst eine große Stressbelastung für die Tiere dar. Aus diesem Grund erlangen nicht-invasive Methoden, bei denen die Menge der im Kot ausgeschieden Abbauprodukte von Glucocorticoiden (GCM) als Maß für die Stressbelastung bestimmt wird, immer mehr an Bedeutung. Die in dieser Studie untersuchten 16 weiblichen Rothirsche lebten im Forschungsgatter (45ha) des Forschungsinstitutes für Wildtierkunde und Ökologie Wien (FIWI) unter naturnahen Bedingungen. Über den Zeitraum von einem Jahr wurde von jedem Tier regelmäßig Kotproben frisch eingesammelt, individuell zugeordnet und die ausgeschiedenen GCM mittels eines gruppenspezifischen Enzym-Immunoassays analysiert. Gleichzeitig wurden die sozialen Interaktionen der Tiere quantifiziert, um ihren potentiellen Einfluss auf die GC Ausschüttung zu erfassen. Weiter wurde untersucht, in welchem Maße die aufgenommene Nahrungsmenge die Konzentration der GCM im Kot beeinflusst. Die Ergebnisse zeigten einen wahrscheinlich photoperiodisch gesteuerten, sinusförmigen Jahresverlauf der GCM Konzentration im Kot mit den höchsten Werten in den Wintermonaten. Zu den niedrigen Werten während der Sommermonate trug auch die erhöhte Futteraufnahme der Tiere und die deshalb höhere Verdünnung der GCM im Kot bei. Neben der GCM Konzentration und der Futteraufnahme unterlag der Gewichtsverlauf starken saisonalen Veränderungen, mit einem saisonalen Minimum im Winter und einem Maximum im Sommer. Die Ergebnisse weisen auf eine katabole Stoffwechsellage der Tiere im Winter, in welchem Körperreserven abgebaut und eine anabole im Sommer hin, während hier Körperreserven aufgebaut wurden. Das GC Cortisol ist dabei offensichtlich ein wichtiges, an der Regulation dieser Vorgänge beteiligtes Stoffwechselhormon. Neben saisonalen Einflüssen hingen GCM Konzentration und Futterverhalten auch vom sozialen Rang ab. Es zeigte sich, dass rangniedrigere Tiere insgesamt weniger Futterpellets an der Fütterungsstation zu sich nahmen. Es ist daher anzunehmen, dass hauptsächlich durch die rangniedrigen Tiere vor allem im Winter Wildschäden in der Forst- und Landwirtschaft entstehen.

Schlagworte:
Stresshormone / Glucocorticoide / Glucocorticoidmetaboliten / Rothirsch / Kot / Einfluss von sozialem Rang / Saison / Futteraufnahme/ Cortisol


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