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Publikationstyp: Dissertation
Dokumenttyp:

Jahr: 2008

AutorInnen: Kaiser, W

Titel: Erhebung der Prävalenz von Klauenrehe bei Milch- und Fleischschafen in der Oststeiermark.

Quelle: Dissertation, Vet. Med. Univ. Wien, pp. 150.


Betreut von:

Baumgartner Walter
Kofler Johann


Abstract:
Der Klauenrehe beim Schaf wurde bis dato lediglich untergeordnete Bedeutung zugemessen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden bei der Beschreibung der einzelnen Formen die Symptome lediglich vom Rind direkt auf das Schaf übertragen, ohne die tierartlichen Unterschiede und Besonderheiten im Verhalten der Schafe zu berücksichtigen. Prävalenzstudien über das Auftreten der Klauenrehe beim Schaf bzw. die Bedeutung und das Vorkommen der Klauenreheformen wurden bisher nicht durchgeführt. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war die Erhebung der Prävalenz von Klauenrehe beim Schaf unter Praxisbedingungen in einem abgegrenzten Gebiet in der Oststeiermark. Hierfür wurden 401 Schafe aus 12 Betrieben zweimal im Abstand von sechs Monaten untersucht. Die Fütterung, das Management, die Aufstallungsform, die Weideverhältnisse und häufige Erkrankungen der Tiere wurden ebenfalls erhoben. Die Klauen der Schafe wurden gereinigt, ausgeschnitten und Veränderungen in den einzelnen Abschnitten der Klaue anhand eines Untersuchungsprotokolls beurteilt. 24 Merkmale an den Klauen und der umgebenden Weichteilstrukturen, die in der Literatur beim Rind als relevant für das Vorhandensein von Klauenrehe beschrieben wurden, wurden beurteilt und zusätzlich Auffälligkeiten im Bereich der Extremitäten und des Verhaltens der Tiere notiert. Die einzelnen Merkmale wurden fotografisch dokumentiert. Die statistische Auswertung ergab hoch signifikante Unterschiede in der Häufigkeit des Auftretens zwischen Erst - Z0 und Kontrolluntersuchung Z1 bei den Merkmalen Verbreiterung der weißen Linie (lateral und medial), lose Wand (lateral und medial), Konkavität der Dorsalwand (lateral und medial), Ringbildung der Dorsalwand (lateral und medial), Rötung des Saumbandes (lateral und medial), Schmerzhaftigkeit im Zwischenklauenspalt, Verformung des Wandbereichs (lateral) und Größenunterschied (medial). Für die Erhebung der Prävalenz der verschiedenen Klauenreheformen erfolgte auch eine kombinierte Auswertung der Merkmale: Dazu wurden die vom Rind bekannten Symptome der einzelnen Formen der Klauenrehe (akut, subakut, rezidivierend, chronisch und subklinisch) verwendet. Akute, subakute und chronisch rezidivierende Klauenrehe wurde in dieser Untersuchung beim Schaf nicht beobachtet. Ein großer Teil der untersuchten Tiere zeigte chronisch oder subklinisch veränderte Klauen, wobei im Fall der subklinischen Klauenrehe ein hoch signifikanter Unterschied in der Häufigkeit des Auftretens zwischen Erst- Z0 und Kontrolluntersuchung Z1 an den medialen Klauen festgestellt werden konnte. Die von den Extremitäten bzw. Klauen abgeschaffter Tiere angefertigten Röntgenbilder und histologische Schnitte zeigten sowohl röntgenologisch als auch histologisch Veränderungen im Sinne einer chronischen Klauenrehe, wie Rotation des Klauenbeins, Absenkung der Klauenbeinspitze und osteolytische Umbauprozesse an Margo solearis und Klauenbeinspitze, gering- bis mittelgradige rundzellige Infiltrate in den Sohlensegmenten und einzelne verdickte Gefäßwände, ebenso wie Ansammlungen von Fibroblasten und einzelnen neutrophilen Granulozyten. Die vorliegende Arbeit beweist, dass Klauenrehe in Milch- und Fleischschafbetrieben ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt. Zum ersten Mal ist es gelungen, Klauenrehe beim Schaf unter Praxisbedingungen nachzuweisen, die einzelnen Formen für das Schaf zu definieren und die Unterschiede zum Rind herauszustreichen. Für die Evaluierung der Klauenrehe beim Schaf und auch für weiterführende Studien wurde ein praxisnahes Un-tersuchungsprotokoll erstellt.

Schlagworte:
Klauenrehe / Schaf / Lahmheit / Blutungen / weiße Linie


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