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Gewählte Publikation:

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Publikationstyp: Dissertation

Publikationsjahr: 2009

AutorInnen: Pothmann-Reichl, H

Titel: Der Einfluss der Rückenfettdicke bei Milchkühen auf den Stoffwechsel, auf die Fruchtbarkeit und auf bestimmte Erkrankungen post partum.

Quelle: Dissertation, Vet. Med. Univ. Wien, pp. 130.


Autor/innen der Vetmeduni Vienna:

Pothmann Harald

Betreut von:
Iben Christine
Sommerfeld-Stur Irene

Beteiligte Vetmed-Organisationseinheiten
VetFarm

Einrichtung:
Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe


Abstract:
Ziel dieser Arbeit war es, die Wechselwirkungen zwischen der Körperkondition und den Abnahmen der Fettreserven mit dem Auftreten von Stoffwechsel- und Fruchtbarkeitsproblemen sowie bestimmten postpartalen Erkrankungen zu beschreiben. Dazu wurden in 5 deutschen Betrieben an 292 Holstein Friesian-Kühen (HF) und 2 österreichischen Betrieben an 111 Fleckvieh-Kühen (FV) mittels Ultraschall (3,5 bis 5,0 MHz) RFD-Messungen auf halber Strecke zwischen dem Tuber coxae und dem Tuber ischiadicum durchgeführt. Um Konditionsverläufe dokumentieren zu können, wurden vom Trockenstelltag bis zum 100. Laktationstag fünf Messzeitpunkte festgelegt. Insgesamt wurden 1.062 Laktationen in die Studie einbezogen. Kühe müssen gegen Ende der Laktation ausreichend Energiereserven in Form von Körperfett anlegen, um den hohen Anforderungen an den Stoffwechsel und an die Fruchtbarkeit p.p. sowie dem Erreichen einer hohen Milchleistung gerecht zu werden. Die RFD beim Zeitpunkt des Trockenstellens und bei der Kalbung soll 30 bis 35 mm betragen. Höhere Werte beim Trockenstellen führten in der folgenden Laktation zu signifikant niedrigeren Milchleistungen und brachten signifikant häufiger Uterusprobleme mit sich. Höhere RFD bei der Kalbung gingen bei HF mit kürzeren Rast- und Güstzeiten einher, während sich beim FV die Fälle von Zyklusproblemen häuften. RFD-Werte unter 30 mm bei der Kalbung führten zu signifikant höheren Rast- und Güstzeiten. Den Kühen im letzten Laktationsdrittel muss vermehrt Beachtung geschenkt werden, denn diese neigen in Zeiten des Milchrückganges zur Überkonditionierung. Durch regelmäßige Kontrollen der Körperkondition kann eine Überfütterung verhindert werden. Korrekturfütterungen sollten noch vor dem Trockenstellen durchgeführt werden. Höhere Rückenfettdickenabnahmen p.p. korrelierten mit höheren Milchleistungen. Da die Milchleistung in Konkurrenz mit der Fruchtbarkeit steht, hatten die hochleistenden HF längere Rast- und Güstzeiten sowie höhere Trächtigkeits- und Besamungsindices. Die Konkurrenzsituation zwischen Milchleistung und Fruchtbarkeit stellt eine besondere Herausforderung dar. Da hohe Milchleistungen mit hoher Lipomobilisation einhergehen, muss es ein Ziel sein, hohe Futteraufnahmen bei bedarfsgerechter Nährstoffversorgung und somit gute Gesundheit bei maximaler Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Die RFD-Abnahmen bis 42 Tage p.p. sollen 35 % nicht übersteigen, denn bei höheren Abnahmen stiegen die Erkrankungsrisiken für Mastitiden, Labmagenverlagerungen und die Risiken für Zyklusprobleme. Ab 40 % RFD-Abnahme bis 42 Tage p.p. traten gehäuft orthopädische Erkrankungen auf und bei RFD-Abnahmen von über 35 % bis 100 p.p. erhöhten sich die Erkrankungsrisiken für Mastitiden und Ketosen signifikant. Milchleistungen die 8.000 kg in der Standardlaktation überschritten, erhöhten das Risiko für orthopädische Erkrankungen, Uterus- und Zyklusprobleme sowie für Ketosen und Mastitiden. Das Alter der Tiere spielt sowohl bei der Körperkondition und bei der Fruchtbarkeit als auch bei den postpartalen Erkrankungen eine Rolle. Die RFD beim Trockenstellen, die RFD bei der Kalbung und die RFD-Abnahmen p.p. waren bei Kühen mit mehr als einer Laktation höher. Ebenso stiegen die Anzahl an Besamungen und die Güstzeit. Die Erkrankungsrisiken für Ketosen, Mastitiden, Labmagenverlagerungen so wie auch die Risiken für Uterus-, Zyklus und orthopädische Probleme stiegen um ein Vielfaches. Die Energiebilanz der Milchkühe wird durch die Rückenfettdicke repräsentiert. Die regelmäßige Messung der RFD im Rahmen der Bestandsbetreuung ist ein wichtiges Instrument um den Konditionsverlauf der Kühe zu überwachen und durch Empfehlungen an das Betriebsmanagement positiv auf die Milchleistung, auf die Fruchtbarkeit und auf den Gesundheitsstatus der Herden einwirken zu können. Eine Rückenfettdicke von 30 bis 35 mm im Zeitraum des Trockenstellens bis zur Kalbung soll eingehalten werden. Die RFD-Abnahmen bis 100 Tage p.p. sollen 35 % nicht überschreiten.

Schlagworte:
Rückenfettdicke / Ultraschall / Kühe / Bestandsbetreuung / negative Energiebilanz / postpartale Erkrankungen / Fruchtbarkeit / Stoffwechsel


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