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Gewählte Publikation:

Publikationstyp: Diplomarbeit

Publikationsjahr: 2016

AutorInnen: Wohlgenannt, Isabelle

Titel: Einsatz und Bedeutung von pflanzlichen Arzneien im Bereich des Respirationstraktes von Pferden im deutschsprachigen Mitteleuropa im Wandel der ZeitMitteleuropas im Wandel der Zeit.

Titelvariante: Use and importance of herbal medicine in the respiratory diseases of horses in German-speaking Central Europe trough the ages

Quelle: Diplomarbeit, Vet. Med. Univ. Wien, pp. 168.


Betreut von:

Hahn-Ramssl Isabella

Begutachtet von:
Van Den Hoven Rene

Einrichtung:
Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe


Abstract:
In dieser vergleichenden Literaturrecherche wurde der Einsatz von Heilpflanzen bei Erkrankungen des Respirationstraktes von Pferden im 18. und 19.Jahrhundert mit den heute bei dieser Indikation eingesetzten Pflanzen verglichen. Hierfür wurden Schriften des 18. und 19.Jahrhunderts und der aktuellen Literatur studiert sowie alte Pflanzennamen den heute gängigen Bezeichnungen zugeordnet. In Bezug auf die wissenschaftlich belegte Wirksamkeit bei Erkrankungen des Atmungstrakts wurde in phytotherapeutischen Standardwerken und aktuellen Publikationen zum Themenkreis Phytotherapie bei Atemwegserkrankungen von Pferden recherchiert. Auch wurden die Monographien der Kommission E für die Pflanzenbewertung herangezogen.Es konnte festgestellt werden, dass trotz großteils fehlender wissenschaftlicher Belege rund ein Drittel aller Pflanzen,welche im 18. und 19.Jahrhunderts schon verwendet wurden,auch heute noch bei Atemwegserkrankungen beim Pferd eingesetzt werden.Die meistgenannten Pflanzen aller Epochen waren Fenchel, Anis, Echter Eibisch, Echter Alant, Bockshornklee, Echter Thymian, Süßholz, Schwarzer Holunder, Echte Kamille und Echter Salbei.Ein Teil der Pflanzen scheint jedoch über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten zu sein(wie z.B. Bockshornklee), andere wiederum haben sich heute in der Anwendung als pflanzliche Drogen als obsolet erwiesen(sie haben keine Wirkung bzw.sind giftig). Einige dieser heute als toxisch geltenden Pflanzen, wie z.B. Digitalis purpurea, der Rote Fingerhut,haben aber aufgrund ihrer Inhaltsstoffe durchaus noch ihre Bedeutung, sie werden allerdings heute, aufgrund ihrer engen therapeutischen Breite,in Form von Reinsubstanzen bzw. Fertigpräparaten angewendet und sind in der modernen westlichen Medizin nicht wegzudenken.Interessant ist auch, dass rund ein Viertel aller erhobenen Pflanzen erst in der neuen Literatur zu finden sind, deren Heilkraft scheinbar erst in der heutigen Zeit entdeckt wurde bzw. es handelt sich auch um Pflanzen, die nicht in Mitteleuropa heimisch sind und früher in diesem Raum nicht bekannt waren, wie beispielsweise Eukalyptus oder Isländisches Moos. Außerdem wurde ermittelt, dass nur knapp ein Viertel aller erhobenen Pflanzen wissenschaftlich belegte Wirkung hat. Zum Themenkreis Phytotherapie bei Atemwegserkrankungen von Pferden konnten nur vier wissenschaftliche Studien gefunden werden. Diese vorhandenen wissenschaftlichen Untersuchungen bedürfen aber aufgrund der kleinen Patientengruppen weiterer Forschung,um deren derzeit geringe Aussagekraft zu erhöhen bzw. abzusichern. Der Einsatz der erhobenen Heilpflanzen in der Pferdemediziner streckt sich aus Mangel an zugelassenen Vet-Phyto-Spezialitäten (laut Austria-Codex 2015/2016 sind in Österreich nur sechs Spezialitäten zugelassen) hauptsächlich auf die Anwendung als Zusätze in synthetischen Arzneimitteln und Ergänzungsfuttermitteln.Generell muss bei Pferden im sportlichen Einsatz darauf geachtet werden, sich über die geltenden Dopingbestimmungen zu informieren, da eine Vielzahl der Heilpflanzen, auch wenn sie „nur“ als Futtermittelzusätze verkauft werden,im Wettkampf reglementiert sind.In dieser Literaturarbeit hat sich deutlich gezeigt, dass ein hoher Bedarf an wissenschaftlicher Arbeit im Bereich der Phytotherapie, vor allem in der Tiermedizin und da speziell bei Pferden,besteht,um das Potenzial der möglichen pflanzlichen Therapien idealer ausschöpfen zu können.


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