Veterinärmedizinische Universität Wien Forschungsinformationssystem VetDoc

Grafischer Link zur Startseite der Vetmeduni Vienna

Gewählte Publikation:

Open Access Logo

Publikationstyp: Diplomarbeit

Publikationsjahr: 2010

AutorInnen: Hochgerner, Agnes

Titel: Retrospektive Analyse der Auswirkungen einer CO2-Narkose auf die Herzfunktion bei Saugferkeln mittels Elektrokardiogramm im Rahmen der Kastration.

Quelle: Diplomarbeit, Vet. Med. Univ. Wien, pp. 34.


Betreut von:

Langhoff Rebecca
Ritzmann Mathias

Begutachtet von:
Moens Yves
Ritzmann Mathias

Einrichtung:
Universitätsklinik für Schweine


Abstract:
In der Europäischen Union (EU) werden jährlich über 100 Millionen Ferkel betäubungslos kastriert, was bis zum siebenten Lebenstag in der EU erlaubt ist. Männliche Ferkel werden kastriert, um Geruch- und Geschmacksabweichungen im Fleisch zu verhindern, die geschlechtsspezifisch bei Ebern auftreten können (BINDER et al., 2004). Immer wieder werden Methoden zur Schmerzreduktion oder andere Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration, besonders von Tierschutz- und Verbraucherschutzorganisationen, gefordert (BORELL et al., 2008). Eine Möglichkeit bietet die Kastration unter CO2-Narkose. Diese Methode wird kontrovers diskutiert, ist allerdings in den Niederlanden im Einsatz. Im eigenen Versuch werden insgesamt 80 Ferkel, im Alter von vier bis sechs Tagen, eingeschlossen. 40 Ferkel werden mittels CO2-Narkose (70% CO2 und 30% O2) mit dem Narkosegerät MS Pigsleeper (Fa. Schippers GmbH, Kerken) betäubt. Je 20 von den betäubten Tieren werden kastriert bzw. nur im Kastriergerät fixiert. Als Kontrolltiere fungieren 40 Tiere, die, ebenfalls in zwei Gruppen zu je 20 Ferkeln aufgeteilt, ohne Narkose kastriert bzw. nur fixiert werden. Von allen Ferkeln wird die Herzfunktion mittels EKG während der Manipulation aufgezeichnet. Die Manipulation teilt sich in eine Einleitungs- (45 s) und eine Kastrationsphase (ca. 15 s), in der alle Ferkel unabhängig der Gruppe im Kastriergerät fixiert sind. Ziel dieses Versuches ist es, den Einfluss der CO2-Narkose auf die Herzaktivität der Saugferkel mit und ohne Kastration zu untersuchen. Sowohl in der Einleitungs- als auch in der Kastrationsphase sind signifikante Unterschiede in der Herzfrequenz zwischen den narkotisierten und nicht narkotisierten Tieren messbar. Betrachtet man jedoch den Anfang und das Ende der Einleitungsphase getrennt, kann zu Beginn kein Unterschied in der HF zwischen den einzelnen Gruppen festgestellt werden. Die HF sinkt in allen Gruppen während der Einleitungsphase signifikant ab, fällt allerdings nur bei den narkotisierten Gruppen deutlich unter die physiologischen Werte. Auch MARTOFT et al. (2002) und GERRITZEN et al. (2008) stellen in ihren Studien einen massiven Abfall der HF fest, wenn Ferkel einer CO2-Narkose ausgesetzt werden. Diese Bradykardie kann einen Abfall des Herzminutenvolumens und des systemischen Blutdrucks bewirken und dadurch irreversible Gewebeschäden hervorrufen (TRIM, 1992). Nach HASKINS (1992) ist eine sofortige Intervention erforderlich. Auf Grund der negativen Auswirkung der CO2-Narkose auf das Herz-Kreislaufsystem kann diese Alternative zur betäubungslosen Kastration, nach den vorliegenden eigenen Daten und Ergebnissen anderer Studien nicht empfohlen werden.


© Veterinärmedizinische Universität Wien Hilfe und Downloads