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Publikationstyp: Diplomarbeit

Publikationsjahr: 2010

AutorInnen: Pfundstein, Svende

Titel: Untersuchungen über die praktische Umsetzung der CO2/O2-Narkose bei der Saugferkelkastration mit einem kommerziell verfügbaren Gerät in einem konventionellen Ferkelerzeugerbetrieb.

Titelvariante: Investigation about the practical use of a commercially available CO2/O2 narcosis device to castrate suckling piglets in a conventional pig farm

Quelle: Diplomarbeit, Vet. Med. Univ. Wien, pp. 31.


Betreut von:

Langhoff Rebecca
Ritzmann Mathias

Begutachtet von:
Baumgartner Johannes

Einrichtung:
Universitätsklinik für Schweine


Abstract:
Die CO2-Narkose wird als eine Alternative zur betäubungslosen Kastration diskutiert und in den Niederlanden bereits zu diesem Zweck eingesetzt. Das Ziel dieser Arbeit ist, die Eignung der CO2-Narkose mit einem kommerziell erhältlichen Narkosegerät unter Praxisbedingungen zu beurteilen. 100 männliche Ferkel in einem Alter von 3 bis 7 Lebenstagen wurden in diesen Versuch eingeschlossen. Davon wurden 55 Tiere mit dem Narkosegerät (MS Pigsleeper, Fa. Schippers GmbH, Kerken) mit einer Gasmischung von 70 % CO2 und 30 % O2 anästhesiert und anschließend kastriert. Als Kontrolltiere wurden 45 Ferkel ohne CO2-Narkose kastriert. Als Prüfkriterien für die Praxistauglichkeit wurden die auftretenden Probleme im Zusammenhang mit der Anwendung des Gerätes und die benötigte Zeit evaluiert. Während dem Vorgang der Kastration konnten sich 19 % der insgesamt 100 Tiere aus der Fixiervorrichtung befreien und 7 % mussten aufgrund ihrer Körpergröße von Beginn an anders in das Gerät eingespannt werden. Entsprechend kann das Gerät zur routinemäßigen Anwendung in der Praxis nicht empfohlen werden. Das integrierte Kastriergerät eignet sich, aufgrund der stark schwankenden Gewichte, nicht gleichermaßen für die Fixation aller Ferkel in der angegebenen Alterklasse. Während der Kastration zeigten 53 % der Tiere trotz Narkose Abwehrbewegungen und / oder Lautäußerungen. Bei über der Hälfte der Ferkel der CO2- Gruppe konnte somit keine ausreichende Narkose erzielt werden. Ein technischer Defekt, des in diesem Versuch eingesetzten Gerätes, kann nicht ausgeschlossen werden. Nach der Kastration waren 60 % der mit CO2-Narkose kastrierten Tiere sofort nach dem Hineinsetzen in die Aufwachkiste wieder stehfähig, versuchten aufzustehen, verharrten in Brustlage oder nahmen eine sitzende Haltung ein. Diese Ferkel zeigten auch signifikant häufiger Abwehrreaktionen während der Kastration. Zusätzlich zeigten einige Ferkel auffällige Verhaltensänderungen, wie zum Beispiel Schmatzen, Exzitationen, Ruderbewegungen, Streckkrämpfe, Nystagmus oder Schnappatmung. Der durchschnittliche Zeitaufwand für die Kastration eines Ferkels mit der CO2-Narkose war mit ca. 63s etwa doppelt so lang wie die nur 32s dauernde Kastration ohne Anästhesie. Abschließend lässt sich sagen, dass die Ferkelkastration mit CO2-Narkose unter Verwendung des kommerziell verfügbaren Gerätes weder als tierschutz- noch als praxisgerecht einzustufen ist.


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